LEBEN UND ARBEITEN IN DER TRATEN • KREUTH
“Neubau eines Einfamilienhauses mit Büro und eines Zweifamilienhauses für langfristiges Mehrgenerationenwohnen im ländlichen Raum. Moderne Interpretation des Tegernseer Baustils.”




















Über das Projekt
Im Mittelpunkt des Entwurfs stand die Frage, wie ein baurechtlich stark eingeschränktes, aber wertvolles Grundstück im ländlichen Raum (Tegernseer Tal) so bebaut werden kann, dass es langfristig für verschiedene Wohnkonzepte genutzt werden kann. Vor dem Hintergrund eines stark reglementierenden Bebauungsplan und einer sehr strengen Gestaltungssatzung waren wir stark an die Kubatur von Einfamilienhäusern mit alpenländischen Elementen gebunden. Städtebaulich entstanden zwei zueinander gedrehte Wohnhäuser mit einem Verbindungsbau, der Gemeinschaftsflächen und Privatheit sowie Wohnen und Arbeiten an einem Ort für bis zu drei Familien vereint. Unserer Meinung nach ist dieser Ansatz die einzige Chance, eine Nutzung über mehrere Generationen hinaus zu sichern.
Haus Nord enthält ein Einfamilienhaus mit einem großen Gemeinschaftsbüro, das bei Bedarf in eine Einliegerwohnung umgewandelt werden kann. Im Zentrum von Haus Süd führt eine einläufige Treppe vom Erdgeschoss, das eine 60 m² barrierefreie Wohnung und den Wohn-Essbereich der größeren Wohneinheit teilt, ins Obergeschoss, wo eine vierköpfige Familie Platz findet. Der Keller beherbergt private Flächen und einen gemeinschaftlich genutzten Wäschekeller. Das Haus kann bei Bedarf zu einer einzigen Wohneinheit umgebaut werden. Im Keller von Haus Nord befindet sich eine Pelletheizung, die mittels Fernleitung Haus Süd beliefert.
Die Fassade nach Osten schottet sich nicht ab, sondern ist einladend und wirkt durch seine städtisch geprägten Eingangsbereiche. Nach Westen öffnet sich ein großzügiger Gemeinschaftsgarten mit verschiedenen privaten Zonen, die sich von der Straße weg orientieren.
Mit diesem Projekt wurden wir zu Bauherren und entwickelten intensiv die für uns relevanten Entwurfsparameter. Wir stellten Fragen wie: Welche Funktionen brauchen wir langfristig an diesem Ort? Wie schaffen wir den Spagat zwischen Privatheit und Gemeinschaftsflächen? Wie bauen wir nachhaltig und kosteneffizient? Welche Wohn- und Arbeitsqualitäten streben wir an? Diese Fragen wurden auf ihre Essenz reduziert und gestalterisch umgesetzt.
Naturverbundenes Wohnen und Arbeiten mit starkem Außenbezug sind zentrale Elemente. Die Terrassen liegen auf dem gleichen Niveau wie der Innenboden, der nahtlos ins Freie übergeht. Große Schiebeöffnungen verwischen die Grenze zwischen Innen und Außen. Durch die Vorgabe einer Holzverschalung im Obergeschoss entschieden wir uns, den Materialien treu zu bleiben und sie konsequent durchzuziehen. Ortsüblich ist ein Ziegelbau mit Holzverschalung. Wir ließen im Keller den WU- Beton sichtbar, setzten auf starke Ziegelwände im Erdgeschoss und entschieden uns für Obergeschosse in Holzmassivbauweise, welche sich nicht nur außen sondern auch innen ablesen lässt. Gestalterisch sind die geforderten typischen Dach- und Fassadenelemente auf ihre klare Essenz reduziert und natürlich belassen. Die Verschalung ist eine umgedrehte Boden-Deckel-Schalung aus naturbelassenem Lärchenholz, der Putz angelehnt an den Klosterputz. Innen findet man geölten Eichenboden, Feinsteinzeug innen und außen, großformatige Fliesen und naturbelassene Fichtenwände. Die Materialien sind sorgfältig gewählt, bleiben natürlich und weitgehend sichtbar. Gleichzeitig wurde auf die Robustheit und Alltagstauglichkeit der Materialien geachtet. In den Häusern soll rund um die Uhr gelebt, gespielt und gearbeitet werden, ohne dass man auf Design verzichten, aber auch nicht zu sehr auf Empfindlichkeit Rücksicht nehmen
Baurechtlicher Hintergrund
Eine Besonderheit dieses Projekts war, dass während unserer Planungsphase ein neuer Bebauungsplan in Bearbeitung war. Dieser hätte ursprünglich nur ein freistehendes Gebäude auf dem ca.1650 m² großen Grundstück zugelassen, was eine langfristige und flexible Nutzung unmöglich gemacht hätte. Dank unserer Planung und unsere Einwirkung auf die Baurechtlichen Behören konnte die Größe des Baufelds im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben angepasst werden. Die maximal zulässige Versiegelungsfläche blieb unverändert, aber es durfte innerhalb eines größeren Bereichs gebaut werden.
Leistungsbereich
Wir haben das Projekt intensiv vom ersten Entwurf bis zur letzten Armatur geplant und umgesetzt. Die Vorplanung und die Einwirkung auf den Bebauungsplan begannen im Frühjahr 2020. Die Entwurfs- und Eingabeplanung erstreckte sich von Ende 2020 bis Sommer 2021. Auf Basis einer detaillierten Werkplanung startete der Bau im Februar 2022. Die Fertigstellung und der Einzug waren für Juni 2023 geplant.
Die lange Bauzeit war auf den hohen Grundwasserstand von -1,80 m und den schlecht tragfähigen Boden zurückzuführen. Diese Bedingungen wurden in der Grundlagenermittlung erkannt und in die Planung und Kosten einkalkuliert. Der Bau erforderte eine aufwändige Baugrube mit Spundwänden, Wasserhaltungsmaßnahmen, Bodenersatzkörpern und einen wasserdichten Keller aus WU-Beton mit Bitumendickbeschichtung. Diese Maßnahmen konnten bereits in der Vorplanung in den Kosten einkalkuliert werden und wir wussten, dass wir eine komplexe Baustelle mit verlängerter Bauzeit zu erwarten hatten.
Entwurfszeichnungen
Baustellenbilder


















